Projektteil: 15 Täter – 15 Überlebende

80 Jahre nach der Konferenz sollen lebensgroße Abbildungen von Überlebenden diesen Gegenpol bilden. Die Überlebenden werden mit je einem Enkel oder Urenkel abgebildet.

In der Installation werden 80 Jahre nach dem verbrecherischsten Beschluss der Menschheitsgeschichte vergleichsweise kleine, mit Verblassungstechnik bearbeitete Fotos der fünfzehn Verbrecher im Format 35x25cm nun fünfzehn durch die spezielle IMAGO-Technik lebendig wirkende, lebensgroße Fotos von 15 Überlebenden gegenübergestellt. Ihre Botschaft: Wir! Sind! Hier! Auch unsere Nachfahren sind hier. Wir waren, sind und bleiben Europäer in Europa. 

Die Installation wird nach der Premiere am 20. Januar 2022 in Berlin in verschiedenen Städten und Ländern gezeigt.

 

 

Projektteil: Begleitband zur Ausstellung

 Im Begleitband zur Ausstellung erläutern verschiedene ausgewiesene Historiker die Geschichte der Wannseekonferenz und ihre Folgen. Dabei werden auch die fünfzehn Täter vorgestellt, nebst ihrer ideologischen Motivation, Ihrer Karriere im Nationalsozialismus und dem Umgang mit ihrer Schuld nach dem Krieg.

Ein Abschnitt des Buches widmet sich der letztlichen Ursache der Wannseekonferenz und der Shoa: Dem Antisemitismus. Dessen Wurzeln und Metamorphosen durch die Jahrhunderte werden ebenso erklärt, wie die Formen des heutigen Antisemitismus. Es werden Kontinuitäten von Antijudaismus und Antisemitismus bis in unsere Zeit gezeigt.

Kern des Begleitbandes sind die Biographien der abgebildeten Überlebenden. Ein weiteres zentrales Element sind die Geschichten ihrer Familien, die ein Leben mit Zielen und Hoffnungen führten, bis der Antisemitismus sie aus diesem Leben riss. Sie schildern ihre Erinnerung an ihre Familien, die Shoa und die Zeit nach dem Überleben. In einem Abschnitt schildern sie ihre Gedanken an die Wannseekonferenz, an das Konferenzprotokoll, dass mit der Präzision der Macht festhielt, dass sie, genau sie, ermordet werden sollten. Einige schildern das jahrzehntelange Ringen mit der Frage, weshalb genau sie überlebt haben, sechs Millionen anderer aber nicht. Und sie schildern, was es für sie bedeutet, ihre Enkel in unserer Zeit aufwachsen zu sehen, jenseits dessen, was die eindrucksvollen Abbildungen beider fühlbar machen – sie schleudern den Planern der Wannseekonferenz entgegen: „Wir! Sind! Hier!“

 

 

Projektteil  Wir! Sind! Hier! – Wir sind viele!

Nach der Eröffnung reist die Installation um die Welt. An den zentralen Ausstellungsorten kann die IMAGO Camera aufgestellt werden – sie ist etwa so groß wie ein Überseecontainer – um die Ausstellung fortlaufend zu ergänzen. In Kooperation mit lokalen Einrichtungen werden die letzten Überlebenden mit ihren (Ur-)Enkeln lebensgroß abgebildet. Ihr Vermächtnis nach einem Leben als Teil der Shoa ist ein „Wir! Sind! Hier!“.

 

Die Ausstellung wird um die Ursprungsinstallation der fünfzehn Überlebenden im Spannungsbogen zu den fünfzehn Tätern von Ausstellungsort zu Ausstellungsort wachsen:

 

In der finalen Installation wird mittig im Raum ein symbolischer Konferenztisch stehen. An diesem stehen fünfzehn leere Stühle. Vor jedem Stuhl liegt ein Exemplar des Protokolls der Wannseekonferenz. Der präzise zwischen den beteiligten Ressorts und Dienststellen abgestimmte Plan zur Ermordung von elf Millionen Menschen. Um den Konferenztisch herum stehen die Fotos der Installation 15.

 

Die fünfzehn Überlebenden schauen gleichsam auf den Tatort und den Tatplan. Die Besucher verlassen diesen Kreis durch ein Portal und beschreiten den Weg zum Ausgang, der sich schneckenförmig um die Installation 15 zieht. Rechts und links des Weges zum Ausgang stehen weitere Stelen mit Fotos von Überlebenden und ihren jeweiligen Nachfahren.  

 

Jenen Überlebenden, die sich den ersten fünfzehn im Laufe des Projekts angeschlossen haben und in der IMAGO Camera am jeweiligen Ausstellungsort ein Zeichen gesetzt haben: „Wir! Sind! Hier!“

 

Die Entstehung der weiteren Bilder und der Biographien wird medial und wissenschaftlich begleitet. Die erwartete Aufmerksamkeit wird auch auf dieser Ebene eine breite Öffentlichkeit erinnern, wie segensreich die Demokratie ist und wohin deren Erosion zu führen vermag.